8. Mai 2021

Selbsthilfe – kritisch betrachtet 

Mutismus-Podcast | Folge 028

Die Möglichkeiten der Selbsthilfe sind eine wichtige Ergänzung zu den Angeboten der "Profi-Helfer". Und es gibt einige Punkte, die dabei nicht übersehen werden sollten...

Ich bin 

Christine Winter

...und ich hatte Selektiven Mutismus, bis ich Mitte Dreißig war. 

Heute unterstütze ich Erwachsene, die ihre Sprechblockaden hinter sich lassen wollen, sowie Familienangehörige und professionelle Helfer beim Mutismus verstehen.

Es gibt ein paar Dinge zu bedenken, wenn Mutismus-Betroffene sich gegenseitig unterstützen...

Die sieben Denkirrtümer

  1. "Das Problem ist wichtiger als die Lösung."
    Problembewusstsein macht es schwierig, das Problem zu lösen. Lösungs-Denken steht in der Selbsthilfe aber nicht immer im Vordergrund.
  2. "Wenn alle das Problem haben, gibt's wohl keine Lösungen."
    Gemeinsames Probleme wälzen verhindert individuelle Lösungen. ("Wer kennt das?", "Hat das noch wer?")
  3. "Wenn so viele das Problem haben, muss es ein besonders großes Problem sein."
    Je mehr andere etwas auch haben, umso schlimmer und weniger lösbar scheint es zu sein. Und je öfter man davon hört oder liest, desto mehr Leute scheinen das Problem zu haben (Häufigkeits-Verzerrung).
  4. "Wie die das alle (noch) nicht lösen können, ist es nicht zu lösen."
    Wenn man es ändern könnte, gäbe es nicht so viele andere, die es auch nicht hinriegen. Logisch. Oder?
  5. "ALLE sind am verzweifeln. Ich höre/lese nur schlimme Nachrichten."
    Es melden sich die zu Wort, die am Problem verzweifeln. Die, die bestens klarkommen, machen stattdessen, was ihnen Spaß macht. DAS ist der Grund, warum du mehr schlimme als gute Nachrichten hörst oder liest.
  6. "Langweile mich nicht mit guten Nachrichten. Erzähl mir die heftigen Stories..."
    Menschen hören die Geschichten "mit Drama" von anderen aufmerksamer als die "Läuft-schon-Erzählungen". Dadurch klingt Betroffenen-Austausch selbst dann nach Hoffnungslosigkeit, wenn die meisten Betroffenen bereits gut vorankommen.
  7. "Es hat sich nichts geändert - oder etwa doch...?"
    Du erkennst Fortschritte nicht, während du sie machst. Du kannst erst - mit einigem Abstand - im Rückblick sagen, wie du vorangekommen bist. (Dann bist du aber höchstwahrscheinlich schon nicht mehr bei Selbsthilfe-Veranstaltungen, um davon zu erzählen.)

    Das Problem bei alledem:
    Fehlerfokus macht Blockaden.

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