Wie Selektiver Mutismus und die hochsommerliche Temperatur zusammenhängen
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Über mich
Ich bin Christine Winter
... und ich hatte Selektiven Mutismus, bis ich Mitte Dreißig war.
Heute unterstütze ich Erwachsene, die ihre Sprechblockaden hinter sich lassen wollen, sowie Familienangehörige und professionelle Helfer beim Mutismus verstehen.
"Zwischen komplett handlungsunfähig und komplett zwanghaft handelnd ist Raum für ganz viel Selbstfürsorge".
Hitze macht müde, dünnhäutig und ungeduldig, das kennt jeder. Doch was passiert, wenn das Nervensystem schon im Alltag am Limit läuft?
Christine Winter erklärt in dieser Folge des Mutismus-Podcasts, warum Hitzestress mutistische Blockaden wahrscheinlicher macht und weshalb Selbstfürsorge gerade dann unverzichtbar ist. Aus eigener Erfahrung mit Selektivem Mutismus zeigt sie, warum "Durchpowern um jeden Preis" die falsche Strategie ist.
Eine Folge für alle, die verstehen wollen, wie körperliche Stressoren und Sprechblockaden zusammenhängen.
Ältere Podcast-Folgen, die thematisch gut passen:
"Lass uns über Sprechblockaden reden!"
sage ich immer am Anfang des Podcasts.
Aber wenn ich immer nur rede und du immer nur zuhörst, dann ist das doch sehr einseitig...
Ich finde es wichtig, dass wir über Mutismus ins Gespräch kommen und unsere Erfahrungen austauschen und gemeinsam immer mehr davon verstehen.
Und daher gibt es einmal im Jahr einen Online-Workshop, der in einer überschaubaren Gruppengröße als Gesprächs- und Lern-Gelegenheit für alle offen sind, die diesen Austausch mögen.
Sehen und sprechen wir uns dann?
Ich freu mich drauf.
Zusammenfassung der Folge
mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt
Sommerhitze ist mehr als nur unangenehm.
In der aktuellen Folge des Mutismus-Podcasts erklärt Christine Winter, warum körperliche Stressoren wie Hitze mutistische Blockaden wahrscheinlicher machen.
Als Beraterin mit über 30 Jahren eigener Erfahrung im Umgang mit Selektivem Mutismus weiß sie, wovon sie spricht. Ihre These: Stress ist längst nicht nur die Folge von zu viel Arbeit oder Zeitdruck. Auch Faktoren, die man im Alltag kaum als Stressoren wahrnimmt, wirken auf das Nervensystem.
Dazu zählen Umweltfaktoren wie Allergene, Feinstaub oder Giftstoffe in niedriger Dosierung über lange Zeit. Auch gesundheitliche Probleme, von einer Grippe bis zu chronischen Verdauungsbeschwerden, gehören dazu. Entzündungsprozesse im Körper spielen ebenso eine Rolle wie emotionale Dauerzustände oder Sorgengedanken, die oft so vertraut sind, dass man sie gar nicht mehr bemerkt. Permanentes Kreisen um Zukunft oder Vergangenheit zählt genauso zu den unterschätzten Belastungen.
Ein junger, gesunder Mensch ohne chronischen Stress spürt Hitze zwar auch als Belastung. Die Regeneration danach geht bei ihm aber vergleichsweise schnell. Christine beschreibt ihre eigene Situation anders: Sobald die Temperatur im Büro Richtung 30 Grad geht, wird sie müde, langsam, dünnhäutig und ungeduldig. Trotzdem kommt sie mit kurzzeitigen Stressoren insgesamt gut zurecht, weil sie inzwischen weiß, wie sie sich selbst helfen kann.
Diese Selbstfürsorge zeigt sich im Kleinen. Ein Ventilator, ein kühlendes Fußbad unter dem Schreibtisch oder eine Pause mit kaltem Getränk und Nickerchen machen den Umgang mit der Hitze leichter. Sogar die Veröffentlichung dieser Podcast-Folge hat sich Christine zufolge nach den Temperaturen gerichtet: Sie erschien einen Tag später als geplant, weil die Hitze in der Woche zuvor zu belastend war, um mit vollem Fokus aufzunehmen.
Anders sieht es bei Menschen aus, deren Nervensystem dauerhaft angespannt ist. Wer ohnehin "auf Kante genäht" durchs Leben geht, reagiert auf zusätzliche Stressoren überproportional stark und braucht länger, um sich zu erholen. Mutismus-Betroffene leben laut Christine schon in ihrem gewöhnlichen Alltag nah am Belastungslimit. Kommt zusätzlicher Stress durch Hitze hinzu, kippt die Balance fast unausweichlich.
Rückblickend beschreibt Christine, wie sie selbst mit Selektivem Mutismus auf Stress reagiert hat: mit Volldampf durchpowern, egal was los war. Der Grund dafür lag in ihrer Erfahrung, immer wieder unabänderlich hilflos zu sein, ohne sich aus eigener Kraft daraus befreien zu können. Genau das beschreibt sie als Kern einer mutistischen Blockade. Handlungsfähigkeit fühlte sich für sie deshalb wie ein Triumph an, wie ein Sieg über die Hilflosigkeit. Das führte allerdings dazu, dass sie es regelmäßig übertrieb und sich selbst keine Rücksicht zugestand.
"Zwischen komplett handlungsunfähig und komplett zwanghaft handelnd ist die eigentliche Wahlfreiheit", sagt Christine über diese Erkenntnis. Beide Extreme, das Nicht-machen-Können und das Nicht-stoppen-Können, sind demnach zwei Seiten derselben Hilflosigkeit. Keine der beiden Varianten ist eine gesunde, langfristig tragfähige Lösung.
Was also tun, wenn die Hitze drückt? Christines Rat: langsamer machen, aber trotzdem innerhalb eines Rahmens aktiv bleiben, der deutlich unter der eigenen Überforderungsschwelle liegt. Dazu gehört ein freundlicher Umgang mit sich selbst und bewusste Selbstfürsorge. Diese Empfehlung gilt für jeden, hat für Mutismus-Betroffene laut Christine aber eine besondere Bedeutung. Sie zwingen sich häufig zum Funktionieren, um durch stressige Situationen zu kommen. Die Folgen davon halten bei ihnen deutlich länger an als bei Menschen ohne Mutismus.
Die Folge macht deutlich, dass Stress viele Gesichter hat und Hitze nur eines davon ist. Christine Winter zeigt, wie eng körperliche Belastung und mutistische Blockaden zusammenhängen und warum Selbstfürsorge dabei kein Extra, sondern eine Notwendigkeit ist.


