Leider hat der Begriff “Komfortzone” ein ganz schlechtes Image, weil “Komfort” im Deutschen so klingt wie “faul auf dem Sofa liegend Netflix bis zum Ende kucken”.
Dabei würde mehr Comfort echt helfen. Nicht nur den Mutismus-Betroffenen.
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Über mich
Ich bin Christine Winter
... und ich hatte Selektiven Mutismus, bis ich Mitte Dreißig war.
Heute unterstütze ich Erwachsene, die ihre Sprechblockaden hinter sich lassen wollen, sowie Familienangehörige und professionelle Helfer beim Mutismus verstehen.
Die Komfortzone ist, wo sicher keine mutistischen Blockaden auftreten.
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Dein Beitrag hilft mir beim Podcasten und allen Hörern beim Mutismus verstehen.
Zusammenfassung der Folge
mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt
Der Satz „Raus aus der Komfortzone“ ist fast ein geflügeltes Wort geworden. Er klingt motivierend, nach Entwicklung, nach Veränderung.
Alle sagen es - dann muss es doch stimmen!
Und doch ist genau dieser Satz total irreführend. Gerade im Zusammenhang mit Mutismus ist er aus meiner Sicht darüber hinaus auch noch äußerst kontraproduktiv.
Das Modell mit Comfortzone, Stretchzone und Paniczone ist eigentlich einfach. In der Comfortzone fühlen wir uns sicher. Hier laufen Routinen, hier ist Verlässlichkeit, hier ist nichts bedrohlich. In der Stretchzone wird es anstrengender. Dort kann man lernen, ausprobieren und wachsen. Die Paniczone dagegen ist der Bereich, in dem es zu viel wird. Dort ist Lernen nicht mehr gut möglich.
Genau das wird oft vergessen, wenn Menschen sagen, man müsse unbedingt aus der Komfortzone heraus. Dabei ist nicht die Comfortzone das Problem, sondern die Paniczone. Wer ständig überfordert wird, kann sich nicht weiterentwickeln, sondern gerät in Stress, Hilflosigkeit oder Rückzug. Für mutistische Menschen ist das besonders relevant. Denn bei Mutismus zeigt sich sehr deutlich: In der Comfortzone geht das Sprechen. Die Paniczone ist mit der mutistischen Blockade gleichzusetzen.
Die Komfortzone ist in unserem Sprachgebrauch etwas Negatives, das man auf gar keinen Fall haben soll. Dabei ist das der (innere, gefühlte und dadurch immer zugängliche) Ort, an dem wir auftanken, uns sortieren und stabil bleiben. Und genau das brauchen wir, wenn wir überhaupt etwas Neues lernen wollen. Denn von da aus entsteht Interesse, Neugier, Motivation.
"In der Ruhe liegt die Kraft" ist ein weiteres überstrapaziertes Sprichwort. Aber da steckt Wahrheit drin. Denn die Entwicklungszone (oder englisch Stretchzone) kann nur aktiv und risikofreudig nutzen, wer seine Comfortzone als verlässlichen Rückzugsraum hat, in die er jederzeit zurückkehren kann.
Pädagoginnen und Pädagogen kennen dieses Modell mit den drei Zonen meist aus ihrer Ausbildung. Denn wenn man Kindern (oder überhaupt Leuten) etwas beibringen möchte, müssen sie im dafür geeigneten Modus sein.
Lernen findet in der Entwicklungszone statt. Erholung in der Komfortzone. Nun wenn beides sich in einem guten Rhythmus abwechselt, fühlt man sich wohl und macht eine nachhaltige positive Entwicklung.
Trotzdem geht dieses Wissen im Alltag manchmal verloren, weil der populäre Satz „Raus aus der Komfortzone“ so präsent ist. Dabei ist er oft eher Druck als Hilfe.
Aus meiner eigenen Erfahrung mit einem Onlinekurs mit nicht mutistischen Erwachsenen weiß ich: Die Komfortzone wird größer, wenn man sie wirklich bewohnt. Und sobald die Komfortzone wächst, wird auch die Entwicklungszone breiter. Dann gibt es mehr Raum für kleine Schritte, für Ausprobieren, fürs Lernen.
Große Herausforderungen sind dann nicht automatisch weniger schwer, aber man weiß besser, wo man innerlich zu Hause ist.


