Wenn ich mich heute an meine Schulzeit zurückerinnere, sieht das Verhalten eines Lehrers, das ich damals gehasst habe, plötzlich ganz anders aus.

Vielleicht war seine Absicht, mir zu helfen, weil er gesehen hat, dass ich in der Klasse nicht sprechen konnte. Aber als Schülerin wäre ich lieber übersehen und schlecht benotet worden...

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Über mich


Ich bin Christine Winter

... und ich hatte Selektiven Mutismus, bis ich Mitte Dreißig war. 

Heute unterstütze ich Erwachsene, die ihre Sprechblockaden hinter sich lassen wollen, sowie Familienangehörige und professionelle Helfer beim Mutismus verstehen.

Ob man Mutismus als Schüler oder Lehrer erlebt macht einen riesen Unterschied.

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Zusammenfassung der Folge

mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt

In einem Gespräch sind mir Erinnerungen an meine Schulzeit wieder eingefallen. Ein Lehrer in der Realschule hat damals eine besondere Methode zur mündlichen Benotung genutzt: Drei Schülerinnen gleichzeitig an die Tafel, um dort die Fragen schriftlich zu beantworten. Wir alle fanden das schrecklich und dachten, dass er das so macht, weil er zu faul war, uns einzeln abzufragen.

Im Rückblick wurde mir klar: Vielleicht lag diese ungewöhnliche Strategie für die mündlichen Noten an mir und meiner Sprachlosigkeit. Der Lehrer wollte mir keine mündliche Fünf geben und zugleich wollte er vermeiden, dass nur ich eine Sonderbehandlung kriege – also machte er seine Strategie zum Standard für alle.

Trotzdem war es schlimm für mich: Auch wenn Sprechen nicht gefordert war, fühlte sich das Schreiben vor der Klasse wie eine Bloßstellung an. In meiner Erstarrung konnte ich kaum denken oder schreiben; oft brachte ich nur ein einziges (meist falsches) Wort heraus. Die Lösung des Lehrers half leider wenig und verstärkte mein Gefühl der Unsicherheit noch mehr.

Heute sehe ich aber auch Positives daran: Immerhin hat dieser Lehrer überhaupt etwas ausprobiert! Andere haben mein Schweigen schlicht ignoriert und pauschal schlecht bewertet.

Damals wäre es mir aber wesentlich lieber gewesen, wenn ich unbeachtet geblieben wäre. Aus heutiger Sicht weiß ich aber: Ignorieren bringt definitiv keinen Fortschritt - nur funktioniert halt nicht jedes Experiment auf Anhieb gleich gut.

Was nehme ich daraus mit? Selektiver Mutismus wird je nach Perspektive ganz unterschiedlich erlebt – als Betroffene ist der klare Wunsch, dass man nicht im Mittelpunkt stehen muss; aus pädagogischer Sicht macht die Offenheit fürs Ausprobieren neuer Wege natürlich Sinn.

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