Was sich kaum in Worte fassen lässt, oder:
Wenn du einen Fisch nach dem Wasser fragst, sagt er ja auch nur "blubb".
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Über mich
Ich bin Christine Winter
... und ich hatte Selektiven Mutismus, bis ich Mitte Dreißig war.
Heute unterstütze ich Erwachsene, die ihre Sprechblockaden hinter sich lassen wollen, sowie Familienangehörige und professionelle Helfer beim Mutismus verstehen.
Warum können Menschen mit Mutismus nicht erklären, warum sie mutistische Blockaden bekommen?
Diese Frage aus dem Mutismus Talk hat mich überrascht, weil ich sie mir selbst noch nie gestellt hatte.
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Zusammenfassung der Folge
mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt
Im letzten Mutismus Talk hat mir eine Teilnehmerin die Frage gestellt: Warum können Mutisten ihren Mutismus nicht erklären?
Als ich sie spontan beantworten wollte, ist mir aufgefallen, dass ich mich das selbst noch nie so gefragt hatte. Für mich ist Mutismus ja nichts besonderes - ich habe Jahrzehnte meines Lebens damit verbracht.
Eine griffige, schlüssige Antwort hatte ich spontan nicht. Aber ich habe seitdem weiter darüber nachgedacht. Hier sind meine Gedanken.
Psychische "Special Effects" bleiben Betroffenen oft unerklärlich
Bei psychischen Erkrankungen ist es nicht ungewöhnlich, dass Betroffene sich nicht vollständig erklären können, was mit ihnen los ist. Das heißt nicht, dass sie gar keine Antwort haben. Aber es gibt Leerstellen, die für sie selbst unsichtbar sind, in ihren Antworten.
Speziell beim Mutismus kommt noch dazu, dass Versuch, etwas sehr Persönliches über sich zu sagen, schnell durch eine mutistische Blockade unmöglich wird.
Erklärungen von außen werden zum Selbstkonzept
Aus der Beobachtung, dass Betroffene manches über ihr Problem nicht sehen, ist vermutlich die Idee der Psychoedukation entstanden: Da erklären Therapeuten ihren Patienten, wie sich deren Problematik erklären lässt.
Jemand, der Autorität als Fachkraft ausstrahlt, informiert aus der Außensicht jemandem, der es von innen erlebt, wie sein Innenleben funktioniert...
Das erleben Menschen mit Mutismus ständig. Wenn ihnen oft erklärt wurde, wie sie innerlich funktionieren sollen und warum sie es nicht können, wird das zum Selbstkonzept.
Von da an antworten sie auf die Frage, was mit ihnen ist, nicht mehr mit etwas, das sie über sich wissen, sondern mit dem, was andere ihnen darüber erzählt haben, wie es ihnen geht.
Ich fände viel spannender, mit dem zu arbeiten, was die Betroffenen selbst wissen. Und dabei zu akzeptieren, dass es darin große Lücken, schwammige Stellen und subjektive Färbungen geben kann.
In der Blockade ist alles anders
Der Mutismuszustand und der Nicht-Mutismuszustand unterscheiden sich in allen erdenklichen Dimensionen, auch im Gefühl von “Ich” bzw. dessen Verschwinden. Wer außerhalb der Blockade nach der Blockade gefragt wird, hat unter Umständen gar keinen richtigen Zugang dazu. Und wer in der Blockade gefragt wird, warum er jetzt gerade so ist, wie er gerade ist, kann eh nicht viel von sich ausdrücken.
Der Fisch und das Wasser
Sogar als Mutismus-Beraterin vergesse ich manchmal, dass die Erfahrung im Mutismuszustand für Betroffene schlicht ihre Realität ist. Nichts Fremdes, nichts Bemerkenswertes.
Es ist ein bisschen so, als würdest du einen Fisch auffordern, das Wasser zu erklären. Er lebt darin. Dass es blöd wäre, wenn da kein Wasser wäre, könnte er dir noch sagen. Aber warum Wasser seine Realität ausmacht und wie er darin genau schwimmt, kann er dir nicht erklären.
Menschen mit Mutismus sind dabei eher Amphibien, denn sie leben in zwei Elementen. Sie können abtauchen, an der Oberfläche zwischen Mutismus und Nicht-Mutismus oder mit festem Boden unter den Füßen sein.
Es gab nie ein Davor
Das, was Mutisten in der Blockade erleben, war in ihrer Erinnerung immer schon da. Es gibt für sie keine Zeit ohne Mutismus-Erfahrung.
Um im Bild mit dem Wasser zu bleiben: Dass es Situationen gibt, in denen man bereits ins Wasser gefallen und weggetaucht ist, und andere, in denen man sicher an Land stehen kann, ist für sie nichts Besonderes.
Das Aquarium
Ich war vielleicht neun oder zehn Jahre alt, als ich das Bild eines Aquariums als Analogie für den Mutismus-Zustand gefunden habe. Eine solide Scheibe hat mich vom Rest der Welt getrennt gehalten. Ich konnte hindurchsehen, war aber nicht Teil der Szene. Hören, Sehen, das eigene Körpergefühl, Nähe und Distanz, alles fühlte sich anders an unter Wasser. Mir kam es sogar so vor, also ob ich im Aquarium kein klares “Ich” hatte.
Wer selbst mutistische Erfahrungen hat, sagt vielleicht: “Mein Bild ist anders, aber mein Gefühl geht in dieselbe Richtung.” Wer die Erfahrung nie gemacht hat, kann das Gefühl vermutlich nur schwer nachvollziehen.
Für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Mutismus ist es eine große Belastung, dass niemand diese Erfahrung wirklich versteht.


