Podcast-Folge 140

vom 05.09.2026

Wie Sprechen (und anderes Können) leicht entsteht

In dieser Folge erzählt Christine Winter drei kleine Geschichten von sich. Du erfährst die Gemeinsamkeit von Smalltalk auf Englisch, Arbeiten an einem Auskunftsschalter und Klavierspielen an Weihnachten.

Kleiner Spoiler: Es geht unter anderem um Erfolgserlebnisse und leicht schaffbare kleine Schritte.

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Über mich


Ich bin Christine Winter

... und ich hatte Selektiven Mutismus, bis ich Mitte Dreißig war. 

Heute unterstütze ich Erwachsene, die ihre Sprechblockaden hinter sich lassen wollen, sowie Familienangehörige und professionelle Helfer beim Mutismus verstehen.

"Kann man es sich leicht machen? - Ja, kann man."

Jeder Weg besteht aus kleinen Schritten. Du machst einen, dann den nächsten. Und keiner von den Schritten ist größer als deine Beine lang sind.
So einfach ist das.
(Außer, man denkt, dass es so einfach nicht sein kann...)

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Zusammenfassung der Folge

mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt

Beim Spazierengehen kam mir letztens eine Frage: Warum fällt es mir in letzter Zeit plötzlich leicht, mich auf Englisch zu unterhalten?

Als Jugendliche mit Mutismus war Englischsprechen für mich völlig undenkbar. Bis weit ins Erwachsenenalter habe ich möglichst nichts gesagt, weil ich ja wusste: Das kann ich nicht.
Und doch hat sich das in den letzten Jahren irgendwann geändert. Und ich habe es nicht mal bemerkt, es hat sich einfach so ergeben.

Denn ich treffe ich mich seit mittlerweile mehreren Jahren über eine Plattform für Homeoffice-KollegInnen regelmäßig zu kurzen Videocalls - immer auf Englisch, mit kurzer Vorstellung am Anfang und ein paar Worten Smalltalk am Ende. Über 2000 solcher winzigen und wenig bedeutsamen Minuten-Gespräche sind so zusammengekommen. Irgendwann war das so selbstverständlich geworden, dass ich aufgehört habe, darüber nachzudenken. Seither rede ich einfach drauf los.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich schon viel früher gemacht, als mich mein damaliger Arbeitgeber trotz Mutismus an einen Auskunftsschalter gestellt hat. Um überhaupt etwas sagen zu können habe ich damals erst mal eine einzige Standardantwort auswendig gelernt und die immer wieder abgespult. Mit jedem neuen Kunden hatte ich einen neuen Übungspartner, und nach und nach hat sich ganz von selbst mein Antworten-Repertoire erweitert. Ganz nebenbei hat sich außerdem das Begrüßen, Verabschieden, Bedanken und Entschuldigen wie von allein ergeben - und so hat sich in kurzer Zeit eine Art "Baukasten für Kundengespräche" mit Reaktions-Möglichkeiten für alle Fälle entwickelt.

Mein aktuelles Beispiel hat nichts mit Sprechen zu tun, sondern mit Musizieren: Das Klavierspielen habe ich mir nämlich seit Jahren unnötig schwer gemacht. Jedes Jahr wieder, sobald es auf Weihnachten zu ging. Ich habe mir jedes Jahr im September ein neues festliches Stück ausgesucht, das eigentlich zu schwierig für mich war, mich daran festgebissen und in den Wochen vor Weihnachten viele kleine und größere Misserfolgserlebnisse gesammelt.
Dieses Jahr probiere ich es anders: Ich nehme mir möglichst viele kurze und leichte Stücke, die ich schon nach wenigen Minuten Übung einigermaßen fehlerfrei spielen kann. Innerhalb der letzten Woche habe ich schon vier davon ausprobiert und die klingen mit jedem Tag besser. Es fühlt sich an wie „Spielen“ im wörtlichen Sinn - leicht, spielerisch, ohne Druck. Wer weiß, ob ich nicht doch noch eines von den schwierigeren Stücken wieder herauskramen möchte...?

Die Erkenntnis dahinter: Der Unterschied liegt darin, ob man sich regelmäßig kleine, machbare Erfolge ermöglicht oder ob man sich unschaffbare Hürden aufbaut, die zu wiederkehrenden Misserfolgen werden.
Es spielt keine Rolle, ob es ums Sprechen oder um irgendeine andere Fähigkeit geht. Misserfolg führt bei jedem Menschen dazu, dass man das Schwierige meidet. Und dann geht nichts vorwärts.

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